Musik
GEDOK und die Musik
Ulrike Gruner
Seit Gründung der GEDOK war die Musik wesentlicher Bestandteil der Programme und Aktivitäten. Im Folgenden soll über die anhaltende Förderarbeit der Disziplin Musik nach der Wiedergründung 1948 berichtet werden.
Wie schon in den 20er und 30er Jahren, hatten Komponistinnen auch im Nachkriegs-Deutschland wenig bis keine Chance, öffentlich aufgeführt zu werden. Viele Jahre lang veranstaltete die GEDOK deshalb einen im deutschsprachigen Raum bedeutenden Internationalen Komponistinnen-Wettbewerb. Die Schweizer Sängerin Leni Neuenschwander hatte ihn im Jahr 1950 in Basel gegründet. Als Professorin an der Staatlichen Hochschule Heidelberg-Mannheim und Vorstandsmitglied der GEDOK veranstaltete sie ihn ab 1961 in Mannheim. Stifter und Träger waren die Kultusministerien Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die Stadt Mannheim und die GEDOK Mannheim-Ludwigshafen. Alle 4 Jahre wurden vier bis fünf Preise und Förderpreise vergeben mit einer Gesamtfördersumme von 10.000–12.000 DM. Die letzte Austragung in dieser Konstellation fand 2002 statt.
2008 nahm die GEDOK die Idee wieder auf und tat sich mit der Internationalen Komponistinnen-Bibliothek Unna und deren „Fanny-Mendelssohn-Wettbewerb für Komposition“ zusammen. Das Preisträgerkonzert fand im Rahmen des Cello-Herbst Unna statt. Im Ida Dehmel-Jahr 2020 konnte der bislang letzte Komponistinnen-Wettbewerb dank einer privaten Spende von Christa Müller-Schlegel (GEDOK Wuppertal) als Gemeinschaftsveranstaltung der GEDOK-Gruppen Heidelberg und München ausgetragen werden.
Andere Förder-Formate gelten Interpretinnen der GEDOK: Seit 1974 wurde das so genannte Prämienspiel (später Musikerinnen-Wettbewerb) für GEDOK-Mitglieder ausgeschrieben, bundesweit sowie in Österreich. Es bot den Preisträgerinnen die Möglichkeit, mit einer Konzertreise durch jeweils mehrere GEDOK-Regionalgruppen öffentliches Auftreten zu trainieren. Die dezentrale Organisation machte die Durchführung allerdings schwierig. 2002 fand das letzte Konzert als Abschlussveranstaltung zur Mitgliederversammlung in Detmold statt.
In der Tradition des Prämienspiels steht das Nachfolgeformat „Bundeskonzert“: Seit 2005 können sich GEDOK-Interpretinnen mit Werken von Komponistinnen für die Teilnahme bewerben. Eine Fachjury wählt aus und stellt das Programm für einen Konzertabend zusammen, der einen bundesweiten Querschnitt der Arbeit der GEDOK repräsentiert. Der Turnus ist auf zwei Jahre festgelegt, richtet sich aber in der Praxis nach den Kapazitäten.
Ein Internationaler Liedwettbewerb der GEDOK wurde 2006 auf Initiative der Regionalgruppe Wuppertal und der Bundes-GEDOK ins Leben gerufen. Er sollte im dreijährlichen Turnus ausgerichtet werden, letztendlich aber blieb die erste Veranstaltung mit einem Preisträgerkonzert in der Historischen Stadthalle Wuppertal auch die einzige.
Seit den 70er Jahren gibt es Rückenwind für Musikerinnen durch Institutionen wie das „Archiv Frau und Musik“ oder den Furore-Verlag in Frankfurt, die durch Sammeln, Forschen und Editieren stetig die Bedeutung weiblicher Musikproduktion stärken. Die GEDOK ist vernetzt u.a. mit musica femina (München) und dem Deutschen Musikrat, war zeitweise Mitglied im European Music Council und bis 2018 im Austausch mit der Fondazione Adkins Chiti Donne in Musica (Italien).
Außer solch wichtigen Verbindungen zu nationalen und übernationalen Institutionen spielen die vielen regionalen Kontakte oder Kooperationen mit Musikhochschulen und renommierten Festivals wie z.B. frau musica nova, und zamus: early music festival in Köln eine große Rolle als Fenster zur internationalen Musikszene.
Die musikalischen Inhalte lassen sich kaum noch vergleichen mit jenen vor 100 Jahren: Die Palette des Komponierens und Aufführens hat sich erweitert auf experimentelle, interdisziplinäre, performative, akusmatische, installative und andere Techniken, das Forschen in der Tiefe der Geschichte bringt immer wieder erstaunliche Interpretinnen und Komponistinnen zutage bis hin zur mittelalterlichen Hildegard von Bingen und der noch älteren Griechin Cassia, deren Interpretation sicherlich genauso viel Erfindungsgabe und Neugierde braucht wie das Neuerschaffen.
So ist auch die Förderarbeit nach 100 Jahren eine andere geworden. Neben privaten Sponsoren und Stiftungen hat die finanzielle Unterstützung durch staatliche, regionale oder kommunale Institutionen einen wichtigen Stellenwert bekommen. Neben dem Knüpfen und Pflegen der richtigen Beziehungen ist viel Recherchearbeit im Förder-Dschungel, Kenntnis und Einhaltung von Abgabe-Fristen für Anträge, flexible Veranstaltungs-Konzepte und vor allem Vernetzung gefragt: Präsenz in Internet und Social Media ist existenziell.
Die neuen Kommunikationstechniken wiederum erleichtern die Arbeit ungemein: Wir können uns heute mal eben bundesweit virtuell versammeln, um die Aktivitäten des Jubiläumsjahres gemeinsam zu planen. Und dank Verknüpfungs-Technologie ist es möglich, in unserem Jubiläumsbuch „100 Jahre GEDOK – Künste ˑ Frauen ˑ Netzwerk“ neben Kunst und Literatur auch real erklingende Musik zwischen zwei Buchdeckeln unterzubringen.
Für das Jubiläumsjahr 2026 rückt die Disziplin Musik zwei Projekte in den Fokus: Schon 2025 hat sie einen Wettbewerb für Klangkunst ausgeschrieben. Er richtete sich an alle Komponistinnen und Interpretinnen sowie an Künstlerinnen anderer Disziplinen, die in den beiden Bereichen Klanginstallationen und Klangobjekte arbeiten. Ein Bezug zum Jubiläums-Motto „Künste · Frauen · Netzwerk“ sollte wahrnehmbar sein. Die Jury, bestehend aus einer Klangkünstlerin, einer Komponistin und einer Musikwissenschaftlerin mit Klangkunst-Erfahrung, wählte sieben Werke aus, die im Jubiläumsjahr öffentlich präsentiert werden, erstmals im „Strobreden – Haus für Klangkunst-Enthusiasten“ in Hamburg und u.a. in der Nikolaikirche in Leipzig. Ausgewählt wurden Werke der Künstlerinnen Rike Casper, Jana Debrodt, Barbara Henning, Petra Herrmann / AG Hamburg/Leipzig, Dorothee Schabert /Lea Ammertal, Ute Seifert / Aida Käser-Beck und Gisela Weimann.
Das zweite Projekt ist über das ganze Jahr und die Regionalgruppen verteilt: „Salon pour Ida“ heißt eine Kammerkonzertreihe, die bei angenehmer, lockerer Atmosphäre Werke von GEDOK-Komponistinnen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts mit neueren und ganz aktuellen Kompositionen mischt. Dieses Konzept dient allen Gruppen als Grundlage für individuelle Gestaltung mit den Komponistinnen und Interpretinnen ihrer eigenen Region. Im einheitlichen Gestaltungsrahmen entsteht so ein Kaleidoskop von Musikdarbietungen, das im Verlauf des Jubiläumsjahres Einblick in die Vielfalt und Individualität der einzelnen Regionalgruppen gibt.
Internationaler Komponistinnen-Wettbewerb – Preisträgerinnen
1951 Grete von Zieritz (Deutschland); Preis in Basel vergeben
1961 Sonja C. Eckhardt-Gramatté (Kanada), Ilse Fromm-Michaels (Deutschland), Yvonne Desportes (Frankreich)
1967 Jacqueline Fontyn (Belgien)
1976 Jennifer Fowler (Australien), Myriam Marbé (Rumänien)
1982 Elzbieta Sikora (Polen), Lidia Zielinska (Polen)
1985 Biancamaria Furgeri (Italien), Yumik Nishida (Deutschland)
1989 Adriana Hölszky (Deutschland), Caroline Ansink (Niederlande)
1997/98 Vivienne Olive (Großbritannien)
2002 Ulrike Merk (Deutschland), Soo-Zung Shin (Österreich), Zhon Juan (China), Jing Jin (China)
2008 Iluminada Pérez Frutos (Spanien), Ji Youn Doo (Deutschland), Nahla Mattar (Ägypten), Susanne Stelzenbach (Deutschland)
2020 ausgeschrieben als GEDOK-Musikpreis, gestiftet von Christa Müller-Schlegel mit den Preisträgerinnen Mayako Kubo (Japan), Lina Tonia (Griechenland) und Min Hee Kim (Korea) sowie sieben weiteren Komponistinnen, denen die Fachjury eine Anerkennung mit Aufführungsempfehlung zusprach
Internationaler Liedwettbewerb für Frauenstimmen – Preisträger*innen
2006 Lisa Wedekind, Heike Wessels, Silke Hartstang;
Hilko Dumno (Pianistenpreis)
Bundeskonzerte
2005 Berlin, Konzerthaus am Gendarmenmarkt
2009 München-Gasteig: Interpretinnen – Komponistinnen: Neue Kammermusik 2009 mit 16 beteiligten Musikerinnen (Interpretinnen und Komponistinnen
2012 Freiburg: Stimme plus 2012 mit 16 beteiligten Musikerinnen (Interpretinnen und Komponistinnen)
2014 Heidelberg
2016 Leipzig – 90 Jahre GEDOK: Spuren. Hören, Konzert im Historischer Festsaal im Alten Rathaus Leipzig
