Aktuelles
Was ohne Investition in die Kunst alles leer bleibt – keine Kürzungen bei Stiftung Kunstfonds!

Ausstellungsräume, Ateliers und Medienwerkstätten, Leinwände, Bildhauersockel, Werkbänke und Desktops verwaisen und bleiben leer. Kunstförderung ist nachhaltige Investition in die demokratische Gesellschaft!
Der BBK Bundesverband, der Deutsche Künstlerbund, die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden (GEDOK), das Internationale Künstlergremium und die Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) senden einen Appell an die demokratischen Parteien im Deutschen Bundestag, sich für die Förderung von (solo)selbständigen Künstler*innen und gegen die vor der Regierungskrise geplanten Kürzungen bei der Stiftung Kunstfonds einzusetzen.
Gerade jetzt, angesichts antidemokratischer Bedrohungen, fordern wir die Parteien auf, die gesellschaftliche Wirksamkeit der Kunst zu unterstützen und für einen demokratischen Zusammenhalt in die Förderung Bildender Künstler*innen zu investieren!
Kunst schafft Zusammenhalt!
Gerade jetzt muss sie dezidiert gefördert werden!
Verleihung der GEDOK Literaturpreise 2024 an Nora Gomringer und Marina Jenker am 26. Oktober 2024
Seit 1968 bzw. 1971 würdigt die GEDOK literarische Spitzenleistungen von Frauen im deutschen Sprachraum. Der Ida Dehmel Literaturpreis wird alle drei Jahre für das Hauptwerk einer Schriftstellerin vergeben und ist aktuell mit 10.000 Euro dotiert. Der mit 5.000 Euro dotierte GEDOK Literaturförderpreis wird einer überregional noch nicht bekannten Autorin verliehen. Die beiden GEDOK Literaturpreise werden seit 2007 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.
Erste Trägerin des Ida Dehmel-Literaturpreises war 1968 Hilde Domin. Mit dem Ida Dehmel Literaturpreis 2024 der GEDOK wird die Lyrikerin Nora Gomringer (Bamberg) ausgezeichnet. Den GEDOK Literaturförderpreis 2024 erhält die Autorin Marina Jenkner (Wuppertal).
Die Preisverleihung findet am Samstag, dem 26. Oktober, um 18.00 Uhr im Festsaal des Kurpfälzischen Museums, Hauptstraße 97, 69117 Heidelberg, statt.
Foto Nora Gomringer: ©Judith Kinitz; Foto Marina Jenkner: ©Christoph Müller
Nora Gomringer
Die fünfköpfige Jury sprach den Hauptpreis der in Bamberg lebenden vielfach preisgekrönten Dichterin und Performerin Nora Gomringer zu. In der Begründung heißt es: Nora Gomringer hat einen ganz eigenen Sound, den sie konsequent über Jahre entwickelt und verfeinert hat. Sie schreibt originell und wendet sich entschlossen auch unkonventionellen Themen zu. Pointiert, witzig und zugleich mit großer Achtsamkeit und stilistischer Vielfalt verleiht sie ihren Gedanken die jeweils angemessene Form. In ihrer Dichtung spannt sie den Bogen zwischen klassischem Altertum und Postmoderne, scheut weder Pathos noch Pop, widmet sich dem Gedenken an Heinrich Heine, Dorothy Parker und Annette von Droste-Hülshoff. Experimentelle und projektbezogene Zusammenarbeiten verbinden sie mit Jazzmusikern wie Philipp Scholz, Günter "Baby" Sommer, Grafikern (2x Goldstein, Reimar Limmer, Zara Teller), Fotografen (Andreas Herzau u. a.) und Filmemachern (z. B. Cindy Schmid, Judith Kinitz, Philipp Seefeldt). Die Lyrik als ständigen Austausch zu begreifen, liegt in Gomringers künstlerischem Selbstverständnis begründet.
Marina Jenkner
Das Thema des Literaturförderpreises der GEDOK 2024 war »Frauenleben.frei« und Marina Jenkner hat sich mit ihrer dafür geschriebenen Erzählung »Nachthimmelweit« nicht nur intensiv und gekonnt mit der Thematik auseinandergesetzt, sondern aus Sicht der Jury überragend bearbeitet.
Drei Frauen finden in einer Nacht jeweils in unterschiedlichen Situationen und an unterschiedlichen Orten Wege, um sich aus inneren und äußeren Zwängen zu befreien. Die Handlungsstränge werden durch motivische und sprachliche Übergänge und Verknüpfungen kunstvoll miteinander verschränkt.
Marina Jenkner lebt als freiberufliche Schriftstellerin, Lektorin und Werbetexterin in Wuppertal. Regelmäßig wendet sie sich in ihrem Schaffen Menschen zu, die aus der gesellschaftlichen Norm fallen, und scheut dabei auch Tabuthemen nicht.
Ein herzlichen Dank für die Förderung geht an das

Appell der GEDOK e.V. gegen die massiven Kürzungen bei den Bundeskulturfonds
Kunst und Kultur sind die Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Angesichts des wachsenden gesellschaftlichen Drucks durch antidemokratische Strömungen müssen Kunst und Kultur mehr denn je stabilisiert werden, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.
Die GEDOK e.V., als Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden e. V. appelliert dringend die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Koalitionsparteien sowie die Haushalts- und Kulturpolitiker und Politikerinnen im Bundestag, die geplanten Kürzungen bei den Bundeskulturfonds nicht zu akzeptieren.
Mit dem neuen Haushaltsentwurf 2025 gefährdet die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien durch drastische Kürzungen das Budget der sechs Bundeskulturfonds die Fortführung dieser begonnen Arbeit: nur rund die Hälfte an Mitteln – im Verhältnis zum Haushalt 2024 – soll zugestanden werden.
Dies irritiert umso mehr, als gerade erst neue Förderlinien und Programme, teils auch im Zusammenspiel mit Ländern und Kommunen oder Akteuren des kulturellen Lebens, entwickelt und erstmalig ausgeschrieben wurden oder sogar aktuell noch erarbeitet werden. Auch helfen die Bundeskulturfonds aktiv und konstruktiv bei der Einführung und Durchsetzung in der Freien Szene von Honoraruntergrenzen, den Nachhaltigkeits- und Awareness-Empfehlungen der Kulturförderung der BKM bzw. haben daran mitgewirkt, diese zu entwickeln und auszugestalten.
Die Bundeskulturfonds leisten als unabhängige Einrichtungen zur Förderung der zeitgenössischen Kunst und Kultur in ihrer intermediären Rolle zwischen Bund und den Freien Künsten einen wichtigen Beitrag für Innovation und Diskurs in den Künsten.
Nähere Informationen auf der Website der Stiftung Kunstfonds oder HIER.
Uraufführung "Nun Nacht für Obertonsängerin, Viertelton-Cembalo, Marimba und Chor" von Mia Schmidt im SWR
Die Komposition „Nun Nacht für Obertonsängerin, Viertelton-Cembalo, Marimba und Chor“ unserer Bundesfachbeirätin für Musik, Mia Schmidt aus Freiburg, wurde im SWR-Kultur-2024 in der Sendung vom Fr., 5.7.2024 - 20:03 Uhr, Jetztmusik im eclat-Abendkonzert übertragen.
Anbei den Link zu diese Uraufführung, es lohnt sich dieses Konzert zu hören.
Wir freuen uns sehr, dass so die Komposition von Mia Schmidt zu entdecken ist und gratulieren unserem GEDOK Mitglied ganz herzlich zu diesem Erfolg!
Endlich: Gabriele Münter Preis wieder zurück!
Das ist eine wirklich gute Nachricht für Künstlerinnen und die Kunstöffentlichkeit: In diesem Jahr wird endlich wieder der Gabriele Münter Preis ausgeschrieben!
Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien übernimmt die Förderung der 8. Vergabe des Gabriele Münter Preises. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.
Seit der letzten Vergabe im Jahr 2017 engagieren sich der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), der Deutsche Künstlerbund und der Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden (GEDOK) in einer gemeinsamen Arbeitsgemeinschaft (AG) für die erneute Vergabe des Preises. Auf Basis eines neuen Konzeptes werden in Kürze professionelle Bildende Künstlerinnen ab einem Alter von 40 Jahren zur Bewerbung aufgerufen. Eine unabhängige neunköpfige Jury mit international erfahrenen Künstler:innen und Kurator:innen wird eine Longlist, eine Shortlist und schließlich die Preisträgerin in einem mehrstufigen Verfahren auswählen. In feierlichem Rahmen wird im Frühjahr 2025 die Preisverleihung stattfinden. Die Ausstellung mit Werken der Preisträgerin und der Künstlerinnen der Shortlist folgt im Herbst 2025 in der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz im Museum Gunzenhauser.
Der Gabriele Münter Preis bietet auf Bundesebene eine wirkungsvolle Möglichkeit, um das Schaffen herausragender, in Deutschland lebender Bildender Künstlerinnen sichtbar zu machen, zu fördern und auszuzeichnen. Der Preis wirkt dem Gender Show Gap entgegen, denn immer noch sind Künstlerinnen nicht in gleichem Maße wie ihre männlichen Kollegen in Museen und öffentlichen Sammlungen vertreten. Die erneute Vergabe des
Gabriele Münter Preises ist ein wichtiger Schritt für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Kunst.
Der Preis wurde im Jahre 1994 ins Leben gerufen und nach der Malerin Gabriele Münter (Berlin 1877 – 1962 Murnau) benannt. Mit ihren Arbeiten ist Gabriele Münter eine Protagonistin der Moderne. Bis 2017 wurde der Preis vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband BBK, der GEDOK und dem Frauenmuseum Bonn ausgelobt. Er ist europaweit der einzige, bisher sieben Mal vergebene Kunstpreis seiner Art für Bildende Künstlerinnen.
Ausgezeichnet wurden mit dem international renommierten Gabriele Münter Preis bisher die Künstlerinnen Thea Richter und Gudrun Wassermann (1994), Valie Export (1997), Rune Mields (2000), Ulrike Rosenbach und Cornelia Schleime (2004), Leni Hoffmann (2007), Christiane Möbus (2010) und Beate Passow (2017).
Die Online Ausschreibung startet am 3. Juli 2024 und endet am 29. September 2024. Bewerben können sich professionelle Künstlerinnen, die vor dem 01.01.2024 mindestens vierzig Jahre alt geworden sind, ihren Wohnsitz in Deutschland haben und eine langjährige künstlerische Praxis (z. B. durch Ausstellungen / Publikationen / öffentliche Interventionen) in ihrer Vita nachweisen. Weitere Informationen finden Sie hier und sind über die Webseite www.gabriele-muenter-preis.de abrufbar.
Die Sprecherinnen der AG Gabriele Münter Preis
Dagmar Schmidt – BBK Bundesverband, Vorsitzende
Christine Düwel – GEDOK, Bundesfachbeirätin BK
Cornelia Rößler – Deutscher Künstlerbund, Sprecherin
Ida Dehmel Kunstpreisverleihung 2024 der GEDOK e.V.
27. April 2024 im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden

Iris Hoppe (Mitte), Effrosyni Kontogeorgou (links), Béatrice Portoff (rechts)
„Der 'Ida Dehmel-Kunstpreis der GEDOK' wurde im vergangenen Jahr zum 3. Mal bundesweit ausgeschrieben. Eine Jury aus namhaften Vertreterinnen der Kunst- und Museumswelt wählte aus 56 Bewerbungen das Werk der Künstlerin Iris Hoppe.
Es erscheint ein aus dem Nachlass von Charlotte Dietrich geförderter Katalog – ganz herzlichen Dank auch an die Stiftung Kunstfond und an Frau Dr. Lingl."
„Die Jurymitglieder sind von den Werken der Künstlerin Iris Hoppe überzeugt worden, denn mit ihren audiovisuellen Installationen, Performances und partizipativen Projekten gelingt es Iris Hoppe, abstrakte Begriffe wie Handlung, Zeit, Fläche und Raum multimedial ästhetisch umzusetzen und so das gesellschaftliche Miteinander zu reflektieren. In hervorragender Weise lotet sie das Spannungsverhältnis zwischen persönlichem Erleben und gesellschaftlichem Funktionieren künstlerisch aus, und trägt damit zur öffentlichen Kunst- und Gesellschaftsdebatte bei.
Das Thema Balance durchzieht auf unterschiedliche Weise ihr gesamtes Werk.“
Die Jury hat zusätzlich den neu gestifteten Förderpreis an die Künstlerin Effrosyni Kontogeorgou verliehen.
Die Künstlerin setzt sich mit poetischen Analogien und Strukturen zwischen verschiedenen (Lebens-) Räumen auseinander. In den letzten Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit Fragen der Koexistenz und der Ambivalenz zwischen Kultur und Natur. Während einer in diesem Zusammenhang realisierten in situ begehbaren Installation, bei der 33 Tauben die Galerie Mitte in Bremen übernahmen, entstand das Video, das nun im NKV zu sehen ist.
Wir gratulieren Jenny Erpenbeck für den Internatinal Booker Prize 2024
Der GEDOK Bundesverband gratuliert Jenny Erpenbeck, die in diesem Jahr als erste deutsche Schriftstellerin für ihren Roman Kairos den International Booker Prize erhalten hat. Wir freuen uns mit ihr über diesen großartigen Erfolg. Bereits im Jahr 2004 entschied sich die GEDOK Jury für Jenny Erpenbeck als Preisträgerin des GEDOK Literaturförderpreises und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf die junge Autorin. Von 1971 bis heute zeichnen die bundesweit ausgeschriebenen Preise Ida Dehmel Literaturpreis und GEDOK Literaturförderpreis die Leistung von Schriftstellerinnen aus und tragen auf diese Weise dazu bei, herausragenden Karrieren von Frauen im Literaturbetrieb den Weg zu ebnen.
Literaturpreise der GEDOK 2024 für Nora Gomringer und Marina Jenkner
Mit dem Ida Dehmel Literaturpreis 2024 der GEDOK wird die Lyrikerin Nora Gomringer (Bamberg) ausgezeichnet. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Den auf 5.000 Euro dotierten GEDOK Literaturförderpreis 2024 erhält die Autorin Marina Jenkner (Wuppertal).
Die beiden GEDOK Literaturpreise werden seit 2007 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.
Hauptpreis für Nora Gomringer
Die fünfköpfige Jury sprach den Hauptpreis der in Bamberg lebenden vielfach preisgekrönten Dichterin und Performerin Nora Gomringer zu. In der Begründung heißt es: Nora Gomringer hat einen ganz eigenen Sound, den sie konsequent über Jahre entwickelt und verfeinert hat. Sie schreibt originell und wendet sich entschlossen auch unkonventionellen Themen zu. Pointiert, witzig und zugleich mit großer Achtsamkeit und stilistischer Vielfalt verleiht sie ihren Gedanken die jeweils angemessene Form.
Nora Gomringer wurde 1980 in Neunkirchen/Saar geboren. Sie ist von Geburt Schweizerin und Deutsche und lebt in Bamberg. Dort leitet sie seit 2010 das Künstlerhaus des Freistaats Bayern. Besonders nennenswert sind folgende Auszeichnungen: 2011 Jakob-Grimm-Preis Deutsche Sprache, 2012 Joachim-Ringelnatz-Preis, 2015 Ingeborg-Bachmann-Preis, 2019 Max-Kade-Professur in Oberlin, Ohio, 2021 die Carl-Zuckmayer-Medaille, 2022 Else-Lasker- Schüler-Lyrikpreis, 2023 Berganza-Preis des Kunstvereins Bamberg und die Poetikdozentur der Universität Heidelberg. Sie ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.
In ihrer Dichtung spannt sie den Bogen zwischen klassischem Altertum und Postmoderne, scheut weder Pathos noch Pop, widmet sich dem Gedenken an Heinrich Heine, Dorothy Parker und Annette von Droste-Hülshoff. Experimentelle und projektbezogene Zusammenarbeiten verbinden sie mit Jazzmusikern wie Philipp Scholz, Günter "Baby" Sommer, Grafikern (2x Goldstein, Reimar Limmer, Zara Teller), Fotografen (Andreas Herzau u. a.) und Filmemachern (z. B. Cindy Schmid, Judith Kinitz, Philipp Seefeldt). Die Lyrik als ständigen Austausch zu begreifen, liegt in Gomringers künstlerischem Selbstverständnis begründet. So hält sie mit vielen ihrer Übersetzerinnen und Übersetzern engen Kontakt und
konnte zuletzt die Übersetzung ihrer Gedichte ins Norwegische durch den Dichter Arild Vange begrüßen.
Ihre letzten Lyrikbände beschäftigten sich mit dem weitgespannten Feld von Monstern und Krankheiten, aber auch Phänomenen der Mode sowie dem religiösen Glauben und der Erfahrung von Trauer.
Mit Dr. Jörg Albrecht moderiert sie aktuell den ARD Podcast „100 aus 100 – die Hörspielcollection“ (Redaktion: Katarina Agathos/Jakob Roth).
Die Autorin arbeitet fächerübergreifend als Künstlerin, gestaltet Themen- und Bühnenräume und -programme. Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen begegnet man Nora Gomringers vielen Hüten. Sie trägt sie mit Selbstironie, Neugierde und großer Aufgeschlossenheit für ihre Zeitgenossen.
https://nora-gomringer.de/


Nora Gomringer. Foto ©Judith Kinitz
Förderpreis für Marina Jenkner
Das Thema des Literaturförderpreises der GEDOK 2024 war »Frauenleben.frei«. Marina Jenkner hat sich mit einem eigens für den Wettbewerb geschriebenen Text intensiv und gekonnt damit auseinandergesetzt. In ihrer für den Förderpreis eingereichten Erzählung »Nachthimmelweit« geht es um drei Frauen, die in einer Nacht jeweils in unterschiedlichen Situationen und an unterschiedlichen Orten Wege finden, sich selbst aus inneren und äußeren Zwängen zu befreien. Die erste Protagonistin erlebt eine traumatische Geburt, die zweite bricht in die alte Heimat Syrien auf, um ihrem sterbenden Vater beizustehen, die dritte wird in einer alltäglichen Situation auf ein Missbrauchstrauma zurückgeworfen. Allen dreien gelingt es, sich von Erwartungen – eigenen und fremden – zu lösen und ihren individuellen Weg zu gehen, sie befreien sich aus ihrer passiven Haltung und der Opferrolle. Die Handlungsstränge werden durch motivische und sprachliche Übergänge und Verknüpfungen kunstvoll miteinander verschränkt. Damit hat die Autorin das gestellte Thema aus Sicht der Jury hervorragend bearbeitet.
Die 1980 in Detmold geborene Marina Jenkner studierte Germanistik, Kunst- und Designwissenschaften sowie Architektur und lebt als freiberufliche Schriftstellerin, Lektorin und Werbetexterin in Wuppertal. Regelmäßig wendet sie sich in ihrem Schaffen Menschen zu, die aus der gesellschaftlichen Norm fallen, und scheut dabei auch Tabuthemen nicht. Nach ihrem Debüt »WUPPERlyrik« (2006) veröffentlichte sie im Münchner Verlag Frauenoffensive einen Kurzgeschichtenband über Essstörungen (»Nimmersatt und Hungermatt«, 2007). 2019 erschien ihr Flüchtlingsroman »Die UnWillkommenen« im Frankfurter Größenwahn Verlag. 2022 folgte mit der Romanversion ihres Langspielfilms »Blaue Ufer« eine Geschichte über die Folgen von Missbrauch. In ihrem letzten Roman »Die Geschichtenlauscherin« (2023) behandelt sie unter anderem die Themen Psychische Erkrankungen und Demenz.
Ihre Literatur bringt Marina Jenkner dem Publikum gerne in kreativen Lesungsperformances näher, ferner gibt sie Schreibworkshops an Schulen. Seit 2015 betreibt sie den Kulturort »Die arme Poetin« in Wuppertal-Vohwinkel und tritt als »Die arme Poetin« in gleichnamigen
Bühnenprogrammen auf.
Marina Jenkner ist Mitglied der GEDOK Wuppertal sowie Regionalsprecherin im Verband deutscher Schriftsteller*innen (VS) Bergisches Land.
http://www.marina-jenkner.de


