Bildende Kunst

Die Bildende Kunst in der GEDOK

IngOhmes

Die Disziplin „Bildende Kunst“ (BK) hat innerhalb der GEDOK die meisten Mitglieder, sie umfasst Malerinnen, Grafikerinnen, Bildhauerinnen, Zeichnerinnen, Fotografinnen und Videokünstlerinnen.

Seit ihrer Gründung engagiert sich die GEDOK in zahlreichen Ausstellungen und durch die Vergabe von Kunstpreisen, sie würdigt die Kunst ihrer Mitglieder, indem sie sie der Öffentlichkeit zugänglich macht. Jede einzelne GEDOK-Regionalgruppe schreibt regelmäßig Ausstellungen aus, eine große Zahl davon auch überregional. Viele dieser Ausstellungen vereinen alle in der GEDOK vertretenen Disziplinen (Bildende und Angewandte Kunst, Literatur und Musik und die Darstellende Kunst), insbesondere die Disziplinen Bildende und Angewandte Kunst verlieren zunehmend ihre Trennschärfe und präsentieren sich gemeinsam. Für die Ausschreibung von Kunstpreisen ist die GEDOK als gemeinnütziger Verein allerdings auf Unterstützung durch Sponsoren oder die öffentliche Hand angewiesen – sowohl auf der Ebene des Bundesverbands als auch in den einzelnen Regionalgruppen. In Zeiten knapper Geldmittel sind die entsprechenden Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt, sodass etliche Initiativen und Ansätze nicht kontinuierlich weitergeführt werden konnten.

Bereits 1988 stiftete die Bonner Mäzenin Gabriele Fossebein in Erinnerung an ihren Vater den Dr. Theobald Simon Preis für die Künstlerinnen der BK Bonn. In den ersten Ausschreibungen im Zwei-Jahres-Rhythmus wurden nur die Künstlerinnen der GEDOK Bonn eingeladen, ab 2004 wurde der Preis dann in den dazwischenliegenden Jahren als Preis des Bundesverbandes für Künstlerinnen aller Regionalgruppen ausgeschrieben. Das Preisgeld betrug 5000 €, Gabriele Vossebein übernahm auch die Kosten für die Vernissage und die Einladungen. Eine Broschüre als Dokumentation der Ausstellung wurde über anderweitige Sponsorengelder finanziert.

1989 initiierte die damalige Präsidentin des Bundesverbandes, Dr. Renate Massmann, das Ausstellungs- und Katalog-Projekt „Werkwechsel“. Hierbei sollten die Werke der ausgewählten Künstlerinnen in Form einer Wanderausstellung in den Orten der Regionalgruppen gezeigt werden. Die Maßnahme sollte der gezielten Einzelförderung von Künstlerinnen dienen, „deren Œuvre größer ist als ihr Bekanntheitsgrad“ und „die Herausgabe eines Katalogs ermöglichen“. Bis 1995 konnten die „Werkwechsel“ viermal realisiert werden, wobei insgesamt 13 Künstlerinnen in den Ausstellungen gezeigt wurden und ihr Werk in einem Einzelkatalog präsentieren konnten[1].

Als Nachfolgepreis des Dr. Theobald Simon- Preises wurde 2020 zum 150. Geburtstag von Ida Dehmel (1870-1942) der Ida Dehmel-Kunstpreis ausgelobt, gestiftet von den Past-Präsidentinnen Dr. Renate Massmann, Katharina Kaaf und Ingrid Scheller. Franziska Behrentin, die Tochter von Gabriele Vossebein, übernahm ab 2022 die Fortsetzung dieses Kunstpreises. 2024 gab es zusätzlich erstmals einen Förderpreis, gestiftet von Béatrice Portoff und einer anonymen Spenderin. Die jeweiligen Kataloge zur Ausstellung wurden gefördert von der Stiftung Kunstfonds aus dem Nachlass von Charlotte Dietrich.

Wir freuen uns, dass die Verleihung des 3. Ida Dehmel Kunstpreises für 2026 dank der Zusage von Franziska Behrentin gesichert ist.

Erwähnenswert ist außerdem die enge Zusammenarbeit der GEDOK mit dem Deutschen Künstlerbund und dem Bundesverband des BBK (Berufsverband Bildender Künstler). Zusammen erreichten die Verbände im Jahre 2025 nach siebenjähriger Pause die Wiederaufnahme der Verleihung des Gabriele Münter-Preises. Dieser ist europaweit der einzige Preis, der für Künstlerinnen über 40 ausgeschrieben wird.

In den 23 Regionalgruppen suchen die Künstlerinnen der Bildenden Kunst immer wieder neue Wege der Zusammenarbeit, durchaus auch über den GEDOK-internen Kreis hinaus, um ihre Werke sichtbar werden zu lassen und Position zu beziehen: in aller Eigenständigkeit sind sie präsent in Gesellschaft und Welt und greifen ein in den allgemein-gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs. Dabei hilft auch das „Kollektiv“ der Gruppe, gemeinsame Aktionen stärken den Zusammenhalt der Regionalgruppen und führen zu Aktivitäten, die einzelne Kunstschaffende so nicht bieten können.

Für das Jubiläumsjahr haben die Fachbeirätinnen der Angewandten und Bildenden Kunst im Vorstand des Bundesverbands zusammen überregionale Projekte ausgeschrieben. So präsentiert sich der Bundesverband mit einem frischen Jubiläums-Logo, das Simone Rosenow von der GEDOK Freiburg gestaltet hat. Begleitend entwickelte sie den Entwurf für die GEDOK-Sonderbriefmarke, die zum Jubiläumsjahr erscheint.

Ferner wurde die Erstellung einer Videoarbeit ausgelobt, die die einhundertjährige Geschichte der GEDOK in bewegten Kunst-Bildern und Ton ansprechend und einprägsam erzählen sollte. Diese Ausschreibung konnte Nanette Zimmermann (GEDOK Freiburg) für sich entscheiden. Die Kurzfassung des ungefähr sechsminütigen Portraitfilms hatte Premiere am 22. Januar 2026 zur feierlichen Eröffnung des Jubiläumjahres beim Senatsempfang in Hamburg. Die vollständige Version ist auf dem YouTube-Kanal des GEDOK-Bundesverbands zu sehen.

Zahlreiche Ausstellungen der Bildenden Künstlerinnen, vielfach in Kooperation mit den anderen Disziplinen, zeigen im Jubiläumsjahr 2026 in den Regionalgruppen das künstlerische Potenzial des Verbands. In Zusammenarbeit mit der GEDOK Hamburg und dem Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) Hamburg bundesweit ausgeschrieben wurde die Ausstellung, die vom 30. Januar bis 29. März 2026 gezeigt wird, unter dem Jubiläums-Titel „Künste ∙ Frauen ∙ Netzwerk“. Hierfür konnten die 23 Regionalgruppen aus ihren Reihen renommierte Künstlerinnen der Bildenden und der Angewandten Kunst vorschlagen, die dann in einem 2-stufigen Jurierungsprozess für die Ausstellung ausgewählt wurden. Gezeigt werden Werke von:

Henrike Altes (GEDOK Köln) – Schmuckdesign, Corinna Bernshaus (GEDOK A46) – Keramik, Renata Brink (GEDOK Berlin und GEDOK Hamburg) – Textil/Installation, Karin Camara (GEDOK Mecklenburg-Vorpommern) – Malerei, Cruz Claudia (GEDOK Bremen) – Textil/Foto, Ekaterina Ezhkova (GEDOK Schleswig-Holstein) – Malerei/Keramik, Carola Faller-Barris (GEDOK Freiburg) – Grafik/Installation, Simone Fezer (GEDOK Hamburg) – Glas/Installation, Iris Hoppe (GEDOK Köln) – Installation/Video, Eugenia Jäger (GEDOK Karlsruhe) – Malerei, Nina Annabelle Märkl (GEDOK München) – Installation/Grafik, Ingrid  Mohr (GEDOK Schleswig-Holstein) – Bildhauerei, Simone ten Hompel (GEDOK A46 Düsseldorf) – Metall/Design, Astrid Weichelt (GEDOK Brandenburg) – Grafik/Installation und Soomee Yu (GEDOK Wiesbaden-Mainz) – Graphik.

„Werkwechsel“ – Preisträgerinnen
1989  Martina Alt-Schäfer, Edith Seibert, Gisela Weimann, Ausstellung in der Otto Nagel-Galerie in Berlin
1991  Anne Baisch, Doris Ehrbacher,Ilsetraut Glock, Elisabeth Mehrl, Ausstellung in der Akademie für Politische Bildung Tutzing
1993  Christine Meise, Juliane Stiegele, Helga Thomas-Berke, Ausstellung im Frauenmuseum Bonn
1995  Ellen Keusen, Lu Lava, Dagmar Rücker, Ausstellung in der Kunsthalle Bonn und im Van der Heydt-Museum Wuppertal.

Dr. Theobald Simon-Preis – Preisträgerinnen des bundesweit ausgeschriebenen Preises
2005  Sandra Eades, GEDOK Freiburg, Photo / Painting:
Ausstellung im Amtsgericht Bonn
2007  Angela Fensch, GEDOK Brandenburg, Photographie;
Ausstellung im Landgericht Bonn
2009  Almut Glinin, GEDOK Stuttgart, Video, Skulptur, Raumkonzept;
Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn,
2011  Birthe Blauth, GEDOK München, Medienkunst;
Ausstellung im Künstlerforum Bonn und Kunstmuseum Bonn,
2013  Elianna Renner, GEDOK Bremen, Medienkunst;
Ausstellung im Künstlerforum Bonn
2015  Rose Stach, GEDOK München, Mixed Media / Photographie
2017  Susan Donath, GEDOK Berlin, Ausstellung im Künstlerforum Bonn
2019  Dorothea Frigo, GEDOK München, Ausstellung im Kunsthaus Rhenania im Rheinhafen Köln

Ida Dehmel Kunstpreis – Preisträgerinnen
2020  Susanne Krell, Ausstellung im Kunstmuseum Bonn
2022  Barbara Noculak, Ausstellung im Roentgen-Museum in Neuwied
2024  Iris Hoppe, Ausstellung im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden

Ida Dehmel Kunstförderpreis – Preisträgerin
2024  Effrosyni Kontogeorgou, Ausstellung im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden

Kunst von Frauen in der Öffentlichkeit: ein kleiner Exkurs
IngOhmes

Bereits 1937 zeigt das Pariser Museum Jeu de Paume 550 Arbeiten von über 100 Künstlerinnen aus 15 Ländern. Diese Ausstellung „Les femmes artistes d’Europe exposé au Jeu de Paume“, ist die erste umfassende Übersichtspräsentation in einem Museum, die nur Kunst von Frauen zeigt.

In der Museumsgalerie „Art of This Century“ von Peggy Guggenheim in New York, ebenfalls eine Förderin besonders von kunstschaffenden Frauen, liegt 1940 der Anteil der ausstellenden Künstlerinnen bei über 40 Prozent, 30 regelmäßig kaufende Sammlerinnen verzeichnet die Kundenliste der Galerie. 1942 erhält Guggenheim für eine von ihr konzipierte Ausstellung von Alfred Barr, dem Direktor des Museum of Modern Art, eine Liste mit Namen abstrakter Malerinnen, die er „für mindestens ebenso gut hält wie die besten ihrer männlichen Kollegen“. Darunter ist z. B. Meret Oppenheim, deren Pelztasse als Leihgabe des MoMA den Weg in die Ausstellung findet.

So betrachtet, ist viel geschehen, seit Ida Dehmel im Jahr 1926 die GEDOK zur Unterstützung von Künstlerinnen in Hamburg ins Leben gerufen hat. Längst ist es selbstverständlich, dass Frauen an den Kunstschulen und Kunstakademien studieren, sie stellen inzwischen sogar die Mehrzahl der Studierenden.

Auch wenn es seither keine so umfangreichen Künstlerinnen-Ausstellungen in so renommierten Häusern wie den oben erwähnten gegeben hat, ist es inzwischen selbstverständlich, dass Künstlerinnen in Ausstellungen vertreten sind.

Trotzdem ist auch im Jahr 2026 der Kunstbetrieb immer noch stark männlich geprägt. So waren in den letzten 20 Jahren nur 20 Prozent der Einzelausstellungen in den deutschen Museen von Künstlerinnen. Künstlerinnen verdienen im Durchschnitt immer noch etwa 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zwar zählte im Jahr 2024 die Künstlersozialkasse 33.019 männliche und 33.791 weibliche Mitglieder, aber der Jahresverdienst von Künstlern lag durchschnittlich bei 23.238 Euro, der von Künstlerinnen nur bei 17.375 Euro. Besonders deutlich zeigt sich diese Schieflage in der Bildenden Kunst: Rund 44.000 Künstler*innen gehören der niedrigsten Einkommensgruppe an – 60 Prozent davon sind Frauen! Weltweit gibt es unter den 10 meist verdienenden Kunstschaffenden dieser Welt keine einzige Frau![2]

Allerdings scheint sich langsam ein Wandel anzubahnen: Während bis 2005 nur zwei Frauen mit dem renommierten Turner-Preis ausgezeichnet wurden, erhielten zwischen 2005 und 2024 zwölf Künstlerinnen sowie ein Künstlerkollektiv mit Beteiligung mehrerer Frauen diese Auszeichnung.

 

[1] Siehe auch Elke Lauterbach-Phillip, Dissertation, S. 206 f.

[2] Zahlen nach María Linares und Cornelia Rößler, den Sprecherinnen des Deutschen Künstlerbundes